Presseartikel der Westdeutschen Zeitung
vom 21. Februar 2017 im Jecken ABC

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U wie Uniformhaus in Willich

U wie Uniformhaus – diese Willicher Adresse ist seit mehr als drei Jahrzehnten weit über den Ortskern und den Kirchturm von St. Katharina hinaus bekannt. An der Kreuzstraße geben sich gekrönte Häupter die Klinke in die Hand, um pünktlich zu Beginn ihrer Regentschaft von Kopf bis Fuß ausstaffiert zu sein.

„Sommer- und Winterbrauchtum gehen hier bei uns nahtlos ineinander über“, sagt Rainer Jakobs, der für den kaufmännischen Bereich des Traditionshauses zuständig ist. Jörg Becker, der das Uniformhaus 2012 von Barbara Stommel übernommen hat, ist der Mann, der das Maßband kaum mehr zur Seite legt.

Früher, erzählt Jakobs, habe der Verleih von Karnevals- und Schützenuniformen zwei Drittel, die Maßanfertigung ein Drittel des Angebots ausgemacht. „Heute ist es umgekehrt, ohne dass die Verleihzahlen zurückgegangen sind.“ Allein 3000 Schützenuniformen sind im Sortiment.

Die Prinzenpaare von Mönchengladbach, Krefeld, Uerdingen, die Ehrengarde aus Düsseldorf – sie alle gehören zur Kundschaft, die nach Maß ihre Sessionskleidung anfertigen lassen. Manche Gesellschaften haben strikte Vorgaben, andere geben Spielräume. So musste sich beispielsweise die Mönchengladbacher Prinzessin nur an das Farbspektrum Blau und Weiß halten, bei Stil und Schnitt des Kleides hatte sie aber Mitspracherecht. „Ihr gefiel ein Kleid der dänischen Königin. Das hat sie uns gezeigt.“ Der Kunde ist eben König, eine Prinzessin auch.

Ihre Tuche beziehen die Willicher aus Süddeutschland, von einer der wenigen Firmen, die diese Uniformstoffe noch herstellen.

Ein erstes Gespräch mit Kunden zum Kostüm findet im Februar, März, also weit vor der Session statt. Zwei Schneiderinnen und drei Näherinnen fertigen Ornat und Karnevalsuniformen an. Vier Wochen vor der Inthronisation wird noch einmal eine Anprobe angesetzt.

Entschließt sich ein Regent oder ein Paar erst kurz vor Hoppediz-Erwachen dazu, die Jecken durch die Sessions führen zu wollen, ist eine Maßanfertigung nicht mehr möglich. „Das Verleih-Ornat für den Willicher Prinzen haben wir aber immer hier“, sagt Jakobs.

Die Kleidung ihrer Kunden sehen Jörg Becker und Rainer Jakobs nicht nur bei der Anprobe oder auf dem Bügel, sondern auch auf Bühnen. „Wir erhalten immer wieder Einladungen, denen wir auch gerne folgen. Wir waren beispielsweise in Krefeld, Ratingen und in Mönchengladbach Das hat Spaß gemacht.“ Sie können die Sitzungen offenbar genießen, ohne bei jedem Schritt des Prinzenpaares auf Nähte oder Faltenwurf zu achten. Besonders gefreut haben sich Becker und Jakobs über einen Auftritt des Prinzenpaares aus Uerdingen in der Session 2015/16. Nicole Specker und Dirk Müller trafen damals Kanzlerin Angela Merkel im Kanzleramt in Berlin. Das Foto haben die Willicher stolz auf ihrer Homepage hochgeladen.

Ist die Schützensaison vorbei und die Karnevalssession noch nicht auf ihrem Höhepunkt, bedient das Willicher Team weitere besondere Kunden: Für sie liegen Römerhelm, Schwert und Mantel oder Mitra, Bart und Bischofsstab bereit. Aber das ist kein Thema fürs jecke ABC. Ree